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Donnerstag, 22. Februar 2018

Die olympischen Spiele in Süd-Korea - ein Volk mit tiefen spirituellen Wuezeln





Die olympischen Spiele in
Süd-Korea


Auch wenn es niemand von Euch ahnt – ich habe eine persönliche Beziehung zum Koreanischen !  Noch vor einem Jahr hätte auch ich das nicht für möglich gehalten.
Wie es dazu kam und was mich an dieser Kultur und Sprache berührt, möchte ich mit Euch teilen.

In größeren Abständen schaute ich mir mit meinem Sohn eine koreanische Serie mit Untertiteln an. Im letzten Herbst merkte ich dabei, wie sehr ich es vermisst hatte, Koreanisch zu hören. Nur aus Interesse erkundigte ich mich, ob es in St. Gallen einen Koreanisch-Kurs gibt. Und wie für mich gemacht, wurde in der Migros-Klubschule (eine Art Volkshochschule) erstmals ein Anfängerkurs angeboten.

Der Kurs war anspruchsvoll, aber meine Begeisterung mobilisierte ungeahnte Kräfte. Zwischen 6 und 10 Stunden in der Woche übte und lernte ich und es ist kaum zu beschreiben, welches Gefühl von Erfüllung ich dabei erleben konnte.


Die Flagge von Süd-Korea


Der weiße Hintergrund symbolisiert den Frieden. Das Yin-Yang-Zeichen in der Mitte ist wohl allen vertraut als das Symbol für ein ausgewogene Miteinander aktiver und passiver Lebenskräfte, meistens gleichgesetzt mit dem Männlichen und Weiblichen.

Zum Kreis hin ausgerichtet stehen die vier Grundzeichen des aus der chinesischen Kultur stammenden:  «I Ging – das Buch der Weisheit».


Die vier Elememte und die Grunkräfte im I Ging

Diese 4 Zeichen entsprechen den vier Elementen, wie wir sie aus anderen Kulturen oder eben auch aus der Astrologie kennen.
Ich möchte gern etwas näher auf die Bedeutung dieser Zeichen eingehen, denn diese sagt gleichzeitig eine Menge über die Wurzeln der koreanischen Kultur aus. Die auf der Flagge gezeigten vier Grundkräfte des Lebens bilden in verschieden starken Mischungen den Urstoff der Schöpfung und ebenso für alle Aspekte des Menschseins.



Das Schöpferische / der Himmel

Im «Buch der Weisheit» bestehen alle 64 Doppel-Zeichen aus 6 Strichen, also zwei mal zwei Einzel-Zeichen übereinander. Im ersten dieser 64 Doppeleichen, geht es um die verdoppelte Kraft des «Schöpferischen» - der Nr.1- und bringt deshalb die zugrundeliegende «Himmels»-Kraft besonders deutlich zum Ausdruck. Ich möchte diese mit zwei Zitaten aus dem I Ging verdeutlichen:

«Das Schöpferische wirkt erhabenes Gelingen, fördernd ist Beharrlichkeit.» (Urteil)

«Des Himmels Bewegung ist kraftvoll. So macht der Edle sich kraftvoll und unermüdlich.» (Das Bild)

Kurz angemerkt: «Der Edle» stellt im I Ging einen Menschen oder den Anteil einer Persönlichkeit dar, der von großer Reife und Bewusstheit durchdrungen ist.

Astrologisch gesehen entspricht dem Himmel oder dem Schöpferischen das Element Luft – hier mit einem Feueranteil, ist also nicht 1 Zu 1 übersetzbar. Doch bleibt es ganz klar ein aktives Element, das über Bewegung und Aktion das Leben gestaltet. Der Hinweis auf Beharrlichkeit und unermüdliches Dranbleiben entspricht einem Streben nach einer erlösten, reifen Form dieser geistig-aktiven Energien. Die Schattenseite dieses Elementes ist, wie im I Ging-Text beschrieben, ein kurzlebiges Hindurchwehen ohne sichtbare Ergebnisse.

Das Empfangende / Die Erde


Auch hier ist im I Ging mit einer Verdoppelung übereinander ein Deutungszeichen entstanden  – die Nr. 2  Das Empfangende
/die Erde.
 Auch hierzu einige Zitate:

Den Satz «Erhabenes Gelingen durch die Beharrlichkeit einer Stute» habe ich aus zwei Sätzen zusammengefügt. Im Bild der Stute zeigt sich die weiblich-mütterliche Kraft dieses Zeichens.

«Hat der Edle etwas zu unternehmen und will voraus, so geht er irre; doch folgt er nach, so findet er Leistung. ….  Ruhige Beharrlichkeit bringt Heil.» (Urteil)

«Der Zustand der Erde ist die empfangende Hingebung. So trägt der Edle weiträumigen Wesens die Außenwelt.» (das Bild)

 Das Erdelement als passiv-aufnehmende Kraft braucht eine andere Art der Beharrlichkeit, bzw. Ausdauer wie «der Himmel». Sie liegt in einer inneren Ruhe, die notwendige Zeitabläufe und langfristige Wachstumsprozesse berücksichtigen kann, ohne die Geduld zu verlieren. In solchen Situationen wäre hastiges Agieren und Vorwärtsdrängen schädlich. Es geht darum, sich von den äußeren Gegebenheiten leiten zu lassen. Ich könnte es astrologisch nicht besser beschreiben.

Das Abgründige / Das Wasser

Diese Dreiergruppe verdoppelt ergibt die Nr. 29 des I Ging mit gleichem Namen. Wie schon bei «der Erde» entspricht der Deutungstext eindeutig der Elemente-Beschreibung in der westlichen Astrologie.

«Das wiederholte Abgründige. Wenn du wahrhaftig bist, so hast du im Herzen Gelingen, und was du tust, hat Erfolg.» (Urteil)

«Das Wasser erreicht sein Ziel durch ununterbrochenes Fließen. Es füllt jede Vertiefung aus, ehe es weiterfließt. So macht es der Edle. Er legt Wert darauf, dass das Gute zur festen Charaktereigenschaft wird, nicht zufällig und vereinzelt bleibt.» ( Im Text zum «Bild»)

Das erste Zitat macht uns auf den Wasser-Aspekt der Seele, des Gefühlslebens des Menschen hin. Dies ist in der westlichen Astrologie eine wichtige Entsprechung des Wasser-Elements. Im weiterfolgenden Text wird erläutert, was es braucht, wenn wir in innere Tiefen kommen. Über Vertiefungen (auch Abgründe) auf dem eigenen Seelengrund nicht schnell hinweggehen zu wollen und den eventuell ausgelösten Ängsten standzuhalten, ist der ersten Schritt. Sie stattdessen durch Aufmerksamkeit mit Bewusstsein zu füllen, bildet den zweiten Schritt und ist eine reife Art des Umgangs.

Eben das bewusste Wahrnehmen eigener Abgründe führt zu einem Grad von Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, der als Wahrhaftigkeit bezeichnet wird. (In der Astrologie dem Wasser-Zeichen Skorpion zugeordnet)

Ist das geschehen, ist es wichtig, sich nicht unnötig dabei aufzuhalten, sondern im Fluss zu bleiben und weiterzugehen. «Das Gute» liegt im Anerkennen eigener Begrenzungen und Fehler, ohne sich darin festzubeißen oder in Schuldgefühlen zu versinken. Das stärkt den eigenen Charakter.



Das Haftende / Das Feuer

Die durchbrochene Linie, umfangen von zwei durchgezogenen Linien ergibt in verdoppelter Form das I Ging-Zeichen Nr. 30 Das Haftende/Das Feuer.  
Hier wird ein spannender Aspekt in Bezug auf die in der westlichen Astrologie übliche Deutung des Feuer-Elements ergänzt, der das bestehende Verständnis erweitert.

«Das Haftende. Fördernd ist Beharrlichkeit. Sie bringt Gelingen. Pflege der Kuh bringt Heil.» (Urteil)

«Das Dunkle haftet am Lichten und vollendet so dessen Helligkeit. Indem das Helle Licht ausstrahlt, bedarf es der Beharrlichkeit im Innern, damit es sich nicht restlos verbrennt, sondern dauernd leuchten kann. Alles Leuchtende in der Welt ist abhängig von etwas, an dem es haftet, damit es dauerhaft leuchten kann.» (Text  Urteil)

«Die Helle erhebt sich zweimal: Das Bild des Feuers. So erleuchtet der große Mann durch Fortsetzung dieser Helle die Weltgegenden.» (Das Bild)

Die Beharrlichkeit dieses Elements besteht im Anhaften an etwas, das ihm Nahrung und Dauerhaftigkeit gibt. Sonst bleibt es ein Strohfeuer oder aufblitzender Funke, dessen Helligkeit und Wärme in kürzester Zeit erlischt.

Im Text wird angemerkt, dass das Bild der Kuh die Fügsamkeit darstellt, die als eine «freiwillige Abhängigkeit» im Menschen dahingehend wirkt, zu größerer Klarheit und geistiger Schärfe zu finden. Für mich ist es auch ein Hinweis auf die notwendige Demut, die eine «strahlende» Person vor Selbstüberschätzung schützt. Erst dann kann ein Mensch in der Welt etwas Wesentliches bewirken.




«Das Schöpferische / Der Himmel»
HAS



Die Flagge Süd-Koreas als Zeichen kultureller Volksweisheit

Dieser Ausflug ins I Ging bildete für mich ein erstes Zeichen, dass hier eine moderne Kultur existiert, die ihre spirituellen Wurzeln nicht verleugnet.
Ich möchte darauf hinweisen, dass in den Zeiten lang vor der Bildung einer astrologischen Geisteswissenschaft, das Wissen um die vier Elemente (im Chinesischen 5 Elemente) die Grundlage schamanischer Stammeskulturen in der ganzen Welt war und ist.

Ein weiters Zeichen dafür ist für mich die 1984 offiziell ausgesprochene Anerkennung  der Meisterschamanin Kim Keum Hwa mit einem, wenn auch sehr pragmatisch klingenden Titel:

„Wichtiges Immaterielles Kulturgut Nr. 82“
Dieser Titel entspricht einer Heiligsprechung zu Lebzeiten.

Der weibliche Schamanismus aus Korea findet weltweite Beachtung, unter anderem durch die Tanzschamanin Hi-Ah Park, die azusätzlich durch den Film «Reise in die nächste Dimension» von Clemens Kuby bekannt wurde.

Der für mich stärkste Ausdruck dieser Kultur auf der Grundlage eines ganzheitlichen Menschen- und Weltbildes ist die  koreanische Schrift.


Ein guter  König und eine Schrift,
die den Menschen mit Himmel und Erde verbindet


Im 15. Jahrhundert gab einen König mit Namen Sejong. Es war sein Wunsch, allen Menschen seines Volkes zu ermöglichen, Lesen und Schreiben zu lernen. Die chinesische Schrift mit ihren tausenden von Zeichen konnten fast ausschließlich Personen der wohlhabenden Klasse erlernen, weil dieses viel Zeit braucht.

So entwickelte er eine logisch aufgebaute Schrift mit einem einfach nachvollziehbaren Alphabet – Hangul.  In dem Werk «Die richtigen Laute zur Unterweisung des Volkes» wurde dieses erstmals schriftlich festgehalten.

Hier zeigt sich eine wichtige Verbindung zu dem, warum mich diese Sprache derart berühren konnte, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben den Drang verspürte, freiwillig eine Sprache zu lernen.

Schon in der ersten Lektion meines Kurses bekam ich einen Eindruck davon,  dass diese Schriftzeichen mehr sind als ein einfaches Werkzeug und welche Parallelen es zur Symbolsprache der Astrologie gibt.

Die Schriftzeichen sind aus drei Grundelementen zusammengesetzt:
 Punkt (in erweiterter Form als Kreis), waagerechter und senkrechter Strich.
Der Punkt oder Kreis steht symbolisch für den Himmel, der waagerechte Strich für die Erde. Der senkrechte Strich symbolisiert den Menschen, der die lebendige Verbindung zwischen den Kräften von Himmel und Erde bildet.
Immer wieder, wenn mir das ins Bewusstsein kam, wurde es warm und weit in meinem Herzen. Es gibt tatsächlich eine in Schrift ausgedrückte Sprache, die diese Dynamik ausdrückt !

Und ich erlebte in der täglichen Übung diese Schrift einen meditativen Zustand, der mich  eine tiefe Ruhe und Präsenz im Augenblick erleben ließ.

Nun zur Parallele in der westlichen Astrologie: Die Symbole der Himmelskörper (vereinfacht gesagt, die Planeten) sind zusammengesetzt aus dem Punkt oder Kreis, dem Halbkreis, der sich aus Teilung durch einen waagerechten oder senkrechten Strich ergibt und das gleichschenklige Kreuz (waagerecht und senkrecht).

Punkt oder Kreis symbolisieren dabei das geistige Prinzip (Himmel), den Halbkreis als seelisches Prinzip und damit den bewusst fühlenden, berührbaren Menschen und das Kreuz für die Materie, das konkret Irdische (Erde). Im Menschen steht es auch für die Dreiheit von Körper, Seele und Geist.

Es gibt noch einige Beispiele aus der koreanischen Sprache, soweit sie sich mir in den wenigen Monaten  erschlossen haben, die über die Schrift Hangul hinaus zeigen, wie tief die Kultur in einem spirituellen Verständnis verwurzelt ist – auch wenn im modernen Süd-Korea alle Erscheinungen und auch Auswüchse der heutigen Zeit gelebt werden, die sich auch anderswo zeigen. Es geht also nicht um eine Idealisierung.

Doch erscheint es mir bedeutsam, dass im ganzheitliches Potential dieses Volk und dieser Kultur alles vorhanden ist, um tatsächlich der olympischen Botschaft eines friedvollen Miteinanders der Menschen aus aller Welt neu zu beleben.

Die Spaltung Koreas in zwei sich bekämpfende Parteien ist für mich Abbild der klaffenden Risse, die überall auf der Welt mehr oder weniger deutlich zum Ausdruck kommen. Ich hoffe und wünsche dem koreanischen Volk, dass eben dieses tiefe, zeitlose Wissen um die Einheit allen Lebens einen Weg erschafft, der Feindschaft überwindet und wahren Frieden entstehen lässt.


Ich danke Euch für Euer Interesse.

Gamsa hamnida.

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